Wildwuchs spielt Luther

Wildwuchs spielt Luther

Das Ensemble „Wildwuchs“, bestehend aus Thomas Zeuner (Kirchhain), Tobias Witzlau (Bad Homburg) und Knud Seckel (Alsbach/Bergstaße) konzertiert seit über 20 Jahren mit traditioneller europäischer Musik, meist aus dem Mittelalter und der Renaissance.
Man merkt den drei Musikern sofort an, dass sie in diesem Genre zu Hause und mit viel Herzblut bei der Sache sind. Sie laden ihre Zuhörer auf eine unterhaltsame, informative Reise in Luthers revolutionäre Epoche ein. So wird nachvollziehbar, was Luther und damit seine Lieder beeinflusst hat. Die Musiker schenken ihre besondere Aufmerksamkeit den Stücken Luthers, die eine deutliche Verbindung zum Volkslied seiner Zeit haben. Denn er bedient sich bei seinen Neuschöpfungen häufig an populären Liedern, indem er „dem Volk aufs Maul schaut“, wie z.B. in dem Stück „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, das seinen Ursprung in dem mittelalterlichen Spielmannslied „Aus fremden Landen komm ich her“ hat. Andererseits sind etliche seiner Werke durch ihre Strahlkraft selbst zu Volksliedern geworden.

Die Musiker schöpfen aus der Vielfalt von Luthers Liedern und widmen sich darunter auch solchen, die heutzutage nur noch selten zu hören sind. So finden auch überraschende Anklänge an den Bänkelsang Eingang in das Konzert – eine bereits zu Luthers Zeiten verbreitete, erzählende Liedform mit oftmals dramatischem Inhalt, bei der der Sänger sich z.B. auf Marktplätzen auf eine Holzbank stellte, um besser gesehen und gehört zu werden. Das Lutherlied „Ein neues Lied wir heben an“ steht in dieser Tradition der Weitergabe brisanter Nachrichten. Es gilt als ein Auslöser für sein gesamtes weiteres Liedschaffen. Ebenso erklingen während des Konzerts Stücke, die verdeutlichen, wie weltzugewandt, derb aber auch nachdenklich sich die widersprüchliche Befindlichkeit seiner Zeit äußert, z.B. in dem damals verbreiteten Landsknechtslied „Wo soll ich mich hinkehren…?“ oder dem Trinklied „Den liebsten Buhlen, den ich han, der leit beim Wirt im Keller“.

Beeindruckend sind die zeitgenössischen Klänge des Renaissance-Instrumentariums, das neben der Vokalmusik zum Einsatz kommt: näselnde Cornamusen (den Krummhörnern ähnlich), festliche Schalmeien, wirbelnde Percussion, jubelnde Renaissanceflöten und Dudelsäcke, surrende Drehleier, psalmodierende Harfe und Zimbeln und der zarte Strich der Schlüsselfiedel, die den Gesang begleiten. Sie machen das Zuhören zu einem faszinierenden Erlebnis, genauso wie abwechslungsreiche Arrangements von dreistimmigem A-capella-Gesang.